Für das UKI endet ein intensives Jahr. Für viele andere Vereine und NGOs war es wohl nicht anders.
Auf der einen Seite war auch heuer unser Tun geprägt von unserem Leitbild, vom Wunsch und der Notwendigkeit, unsere Gesellschaft inklusiver und gerechter zu gestalten. Über Jahre hinweg haben wir und Kolleg*innen aus dem Sozialbereich und aus arbeitsintegrativen Projekten wesentliche Expertise dahingehend aufgebaut und mit diesem Fachwissen vor allem auch Erfolge erzielt.
Zahlen, Projekte und erreichte Menschen
Allein im UKI haben dieses Jahr 44 Menschen die Möglichkeit bekommen, ihren Pflichtschulabschluss nachholen. Am Qualifizierungsprojekt MigAktiv Plus nahmen heuer 86 Personen teil, wovon etwa ein Viertel erfolgreich in den Arbeitsmarkt vermittelt wurde – leider wesentlich weniger als in den Jahren zuvor. 9 sehbehinderte Menschen erhielten im Rahmen der Basiskommunikation Einzel-Deutschförderung. Etwa 30 Asylwerber*innen konnten im vergangenen Jahr im UKI einen kostenlosen Deutschkurs besuchen.
Engagement, Betreuung und tägliche Arbeit im UKI
Dabei setzen sich die UKI-Mitarbeiter*innen täglich ein, um die Kurs-Teilnehmenden bestmöglich zu unterstützen; sei es individuell durch psychologische Betreuung, bei Behördengängen, durch sonstige sozialarbeiterische Tätigkeiten oder kollektiv durch eine kreative, bedarfsorientierte Unterrichtsgestaltung oder die Projektentwicklung. Die Erfolge des UKI wären nicht möglich ohne jene Menschen, die hier täglich ihr Wissen, ihre Empathie und ihre Einsatzbereitschaft nutzen mit der Überzeugung, dass eine andere Welt möglich ist.
Gleichzeitig wären die Erfolge des UKI auch nicht möglich ohne den Willen und den Ehrgeiz der Kurs-Teilnehmenden – ein Ehrgeiz der höher sein muss als die unzähligen Hürden, die ihnen als Migrant*innen und Geflüchtete in den Weg gestellt werden. Um zu verdeutlichen, dass es uns nicht um ‚Erfolgszahlen‘ geht, sondern dass tägliches Engagement, das Miteinander und individuelle Geschichten diese Erfolge ausmachen, berichten wir auch auf unserer neuen Homepage weiterhin regelmäßig über unsere Aktivitäten & Erfolge.
Strukturelle Ausgrenzung und politische Rahmenbedingungen
Doch leider gibt es auch eine andere Seite, die den Alltag unserer Teilnehmenden und unseres Vereins prägt: Nach wie vor leben wir in einer Gesellschaft, die Menschen mit Flucht- und Migrationshintergrund systematisch ausschließt. Wir sehen einen Arbeitsmarkt, der nach wie vor auf den ‚Idealtypus‘ eines jungen, weißen, gebildeten Mannes ausgerichtet ist, der perfekt Deutsch spricht, überdurchschnittlich belastbar ist, aus wohlhabendem Hause kommt, keine Sorgearbeit leisten muss und keine Krankheiten oder Behinderungen hat. Wir sehen eine Profitlogik, die Maßnahmen erschwert, die dieses System aufbrechen wollen. Eine Politik, die kurzfristige Symbole, ‚Zuckerl‘ und Zahlen einer langfristigen, nachhaltigen Finanzierung vorzieht.
Das Ende eines wichtigen Projekts: MigAktiv Plus
Wie viele andere Vereine und Menschen wissen wir, wie zermürbend es sein kann, zwischen diesen beiden Realitäten zu (über-)leben. Eines unserer Projekte hat heuer leider nicht überlebt. Das Projekt MigAktiv Plus, das Migrant*innen und Geflüchtete durch Qualifizierung bei der Arbeitsmarktintegration unterstützt hat, kann nach 30 erfolgreichen Jahren ab 2026 nicht fortgeführt werden. Es war ein einzigartiges Projekt für diese Zielgruppe mit ganzheitlicher Betreuung. Wir bedauern, dass das Projekt trotz des hohen Bedarfs nicht weiter bestehen wird.
Was Zahlen (nicht) zeigen
Der Versuch, das Projekt zu retten, hat heuer leider viele Ressourcen gebunden. Obwohl das UKI-Team – notgedrungen – über sich hinausgewachsen ist und multiplen Belastungen standgehalten hat, können die beeindruckenden Vermittlungszahlen der Vorjahre heuer nicht erreicht werden. Während in den Jahren zuvor immer um die 60% der MigAktiv-Teilnehmenden nachhaltig in den Arbeitsmarkt vermittelt werden konnten, werden es heuer voraussichtlich nur 22-26% sein.
Doch diese Zahlen sind, wie gesagt, nicht alles. Feststeht, dass alle MigAktiv-Teilnehmenden von den UKI-Kursen profitieren konnten. Auch heuer haben sie beeindruckende Entwicklungen hingelegt, auch wenn es für den Schritt in den Arbeitsmarkt bei vielen noch etwas Zeit braucht. Wichtig ist, dass die Betroffenen weiterhin Unterstützung erhalten und auf ihrem Weg begleitet werden, solange es nötig ist. In diesem Sinne haben wir heuer versucht, jene Teilnehmenden, die noch nicht (wieder) erwerbstätig werden konnten, an andere Einrichtungen anzubinden.
Solidarische Netzwerke, Erfahrung und Kampfgeist
Glücklicherweise können wir auf langjährige Erfahrung zurückblicken sowie Partnerschaften, die wir weiterhin pflegen. Mit der Überzeugung, dass eine inklusivere Gesellschaft nicht nur ökonomisch, sondern auch sozial und politisch notwendig ist, sind wir nicht allein. Dies hat zuletzt auch die fulminante 40-Jahr-Feier des Unterstützungskomitees im August dieses Jahres gezeigt. Das gibt uns Kraft, Hoffnung und die notwendige Kreativität, neue Wege und Projekte zu entwickeln, um unsere Zielgruppe weiterhin bestmöglich zu unterstützen.
Ein neues Projekt unter veränderten Rahmenbedingungen: Die Inklusionsbrücke
Ein solches neues UKI-Projekt ist die Inklusionsbrücke, die Ende 2025 konzipiert wurde. Im Unterschied zum früheren, stärker qualifizierungsorientierten Vorgängerprojekt MigAktiv Plus setzt die Inklusionsbrücke einen anderen Schwerpunkt. Der Fokus liegt hier auf individueller Begleitung, Beratung und Outplacement bei Übergängen in Aus- und Weiterbildungen sowie auf einer stabilisierenden Unterstützung während dieser Phasen. Damit reagiert das Projekt auf veränderte Rahmenbedingungen und knüpft an jene Schnittstellen an, an denen besonders vulnerable Personen häufig Unterstützungslücken erfahren. Auch ohne eigenen Unterrichts- oder Sprachförderanteil verfolgt die Inklusionsbrücke das Ziel, bestehende Angebote zugänglich zu machen, Barrieren abzubauen und Teilnehmende passgenau und nachhaltig auf ihrem Bildungs- und Berufsweg zu begleiten.
Solidarität als Auftrag
Wir sind fest entschlossen, unsere jahrelange Expertise weiterhin einzusetzen. Gerade in diesen Zeiten dürfen wir nicht in Resignation und Vereinzelung abdriften, sondern müssen mit all unserer Kraft für den Erhalt und Ausbau unserer Unterstützungssysteme sorgen. Solidarität soll keine reine Floskel sein, sondern unser Handeln leiten. Integrative Maßnahmen sind kein ’nice to have‘, sondern notwendig, um die weitere gesellschaftliche Spaltung zu verhindern, Armut zu bekämpfen und letztlich eine funktionierende Gesellschaft zu ermöglichen, an der alle teilhaben.
In diesem Sinne wünschen wir ein kämpferisches Jahr 2026 im Zeichen der Solidarität oder um es in den Worten unseres früheren Vereinsmitglieds Willi Resetarits zu sagen:
„Passt’s auf, seid’s vorsichtig und losst’s eich nix gfoin!“
